Vereinschronik

Sowohl die Liebe zur Musik als auch der Wille, die kirchlichen und weltlichen Feste mit einer eigenen Musikkapelle gestalten zu können, lagen zugrunde, als sich im Jahre 1922 sieben junge Männer zusammentaten, um in Karlsdorf einen Musikverein zu gründen. Es waren dies: Julius Bugger, Heinrich Huber, Heinrich Klein, Hermann Riffel, Wendelin Riffel, Stefan Schlindwein und Emil Ludwig Schlindwein.

Wie aus den Aufzeichnungen hervorgeht, war es ihnen schon lange ein Dorn im Auge, dass man zu den Veranstaltungen in Karlsdorf Musiker von Nachbargemeinden verpflichten musste. Auf eigene Kosten wurden Instrumente beschafft. Als Ausbilder und Lehrmeister suchte sich die junge Gruppe den schon damals weit über Karlsdorfs Grenzen hinaus bekannten Musikmeister Friedrich Grumann. Um das Ziel des Lehrmeisters, eine komplette Kapelle aufzubauen, zu erreichen, waren weitere Instrumente und Musiker erforderlich. Es erfolgten Einladungen an Freunde und Gönner mit dem Ziel der Vereinsgründung.

Am 10. Juni 1922 wurde dann der noch heute bestehende Musikverein Karlsdorf von 55 anwesenden Personen gegründet, die Philipp Meigel zum 1. Vorstand wählten. Die Hauptaufgabe der neuen Verwaltung war die Beschaffung der erforderlichen Geldmittel für den Kauf der notwendigen Instrumente. Schon im September 1922 veranstaltete der Verein sein erstes Musikfest. Den musikalischen Teil übernahm dabei der Patenverein aus Forst. Noch im Gründungsjahr hatte der Verein seinen ersten öffentlichen Auftritt. Dies war bei der vereinseigenen Weihnachtsfeier im Dezember 1922. In den Unterlagen heißt es dazu: "Mit größter Spannung lauschten die Hörer im überfüllten Saal den Klängen der neuen Kapelle". Die musikalische Umrahmung beim 50-jährigen Jubiläumsfest des Gesangvereins Liedertafel im Sommer 1923 war eine große Herausforderung, die von den jungen Musikern mit Erfolg gemeistert wurde.

1924 übernahm Emil Riffel II. die Leitung des Vereins. Der gute Leistungsstand der Kapelle hatte zur Folge, dass neben den örtlichen Vereinen auch zahlreiche Vereine aus den Nachbargemeinden die Kapelle für ihre Veranstaltungen verpflichteten, was einen finanziellen Erfolg einbrachte, mit dem eine einheitliche Kleidung angeschafft werden konnte. Bereits nach zweijährigem Bestehen wurden große Konzerte in Graben, Bruchsal, Rheinau, Schwetzingen und Heidelberg gegeben. Auch erfolgte im Jahre 1925 die erste Teilnahme an einem Preisspielen in Knielingen. Die Kapelle erreichte dabei in der Oberstufe den 1A- und Ehrenpreis. Das gleiche Ergebnis wurde 1926 bei einem Preisspielen in Neuthard unter großer Konkurrenz erreicht. Beachtliche Erfolge hatte der Verein auch beim Regimentstag des Dragoner-Regiments in Bruchsal und bei der Denkmalseinweihung des Leibgrenadier-Regiments in Karlsruhe. Aufgrund einer Verpflichtung unternahm die Kapelle 1926 einen dreitägigen Ausflug nach Buchen, um dort ihr musikalisches Können zu beweisen. Das Buchener Tagblatt schrieb dazu in einem Bericht: "Die in den Dirigenten und seine junge Kapelle gesetzten Erwartungen wurden bei weitem übertroffen".

Im Jahre 1928 musste Herr Grumann, der als Hauptlehrer in der Gemeinde tätig war, wegen Versetzung die Leitung der Kapelle abgeben. Mehrere Dirigentenwechsel und ein starker Leistungsabfall waren die Folge. Der Verein beschränkte sich in dieser Zeit auf die Mitwirkung bei den kirchlichen und weltlichen Feierlichkeiten innerhalb der Gemeinde.

Zu Beginn des Jahres 1930 war man durch den stark zurückgegangenen Mitgliederstand nicht mehr in der Lage, einen Dirigenten zu verpflichten und stellte die musikalische Tätigkeit ein. Dass aber eine Musikkapelle aus der Dorfgemeinschaft nicht mehr wegzudenken ist, kam bald zum Bewusstsein. Durch Drängen aus breiten Bevölkerungsschichten entschloss sich die Vereinsleitung, eine Werbeaktion durchzuführen. Diese Werbung war sehr erfolgreich. Die Musikproben wurden wieder aufgenommen und als Dirigent wurde Musikdirektor Irrgang verpflichtet, der leider nach wenigen Monaten im Januar 1932 plötzlich verstarb. Danach übernahm Herr Grüneberg die Leitung der Kapelle. Die Teilnahme an zwei Wertungsspielen im Mai und Oktober 1935 mit jeweils der Note „sehr gut“ bestätigte den neuen Aufwärtstrend.

Im Jahre 1936 wurde der Verein mit der Durchführung des Bezirksmusikfestes beauftragt. Die Mitwirkung von 20 Musikkapellen bei der Marschmusikwertung war zu jener Zeit das größte musikalische Ereignis in unserer Gemeinde. Im Jahr 1939 übernahm Herr August Bolz die Leitung des Vereins. Der seitherige Vorsitzende Herr Emil Riffel wurde zum Ehrenvorstand ernannt.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges setzte dem harmonischen Vereinsleben ein jähes Ende.

Am 1. November 1946 wurde die erste Nachkriegsversammlung einberufen. Da eine große Anzahl der ehemaligen Musiker wieder zur Verfügung stand, konnte unter Leitung von Herr Robert Schmitt der Probebetrieb wieder aufgenommen werden. Bei der Weihnachtsfeier 1947 erklärte sich der Mitgründer und mittlerweile zum Ehrendirigent ernannte Friedrich Grumann bereit, die Leitung der Kapelle wieder zu übernehmen, was allseits große Freude auslöste. Die Bemühungen des Vorstandes August Bolz, des Musikervorstandes Raimund Riffel und die wertvolle Ausbildungsarbeit von Robert Schmitt brachten den erhofften Erfolg. Schon 1948 konnte die Kapelle den musikalischen Teil beim 75-jährigen Jubiläumsfest der Liederhalle Karlsdorf zur Zufriedenheit gestalten. Noch im selben Jahr feierte der Verein sein 25-jähriges Jubiläumsfest mit einem Jahr Verspätung, da 1947 Vereinsfeste noch verboten waren.

Bei der Generalversammlung 1950 wurde Herr Eitel Ebert zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die vordringlichste Aufgabe war die Überholung der vorhandenen und die Anschaffung neuer Instrumente. Mit den Mitgliedsbeiträgen konnten solche Investitionen nicht getätigt werden, da sie kaum die laufenden Ausgaben deckten. Es wurde deshalb eine Mitgliederwerbung durchgeführt, welche dem Verein 209 neue Mitglieder brachte. Dieser Erfolg war für die Vereinsleitung und aktiven Musiker ein neuer Ansporn, weiter der Musik zu dienen.

Unter der guten Leitung von Verein und Kapelle wurden in den folgenden Jahren große Erfolge erreicht. Die Teilnahme am Wertungsspiel beim Bezirksmusikfest in Forst im Juli 1955 brachte bei starker Konkurrenz einen 1. Rang und in der Gesamtwertung den 3. Platz. Dem in weiten Musikerkreisen bekannten Komponisten und Musikdirektor Friedrich Grumann wurde aufgrund seiner Verdienste um das kulturelle Leben in Karlsdorf die Ehrenbürgerschaft verliehen. Aus Altersgründen hat Herr Grumann im Dezember 1957 die Leitung der Kapelle abgegeben. Der 1. Vorsitzende Eitel Ebert konnte den damaligen Bezirksdirigenten vom Kreis Heidelberg, Herrn Karl Mergenthaler aus Oftersheim, als neuen Dirigenten verpflichten, welcher sich beim Sommerfest im Juli 1958 erstmals der Öffentlichkeit vorstellte.

Dass die Zukunft der Vereine von der Jugend und dem Nachwuchs abhängt, hat die Vereinsleitung frühzeitig erkannt. 1960 wurde zum ersten Mal mit der Ausbildung von 25 Jugendlichen mit dem Ziel einer Jugendkapelle begonnen. Diese konsequente Ausbildung hat der Verein bis heute beibehalten und blieb dadurch von Nachwuchssorgen verschont.

Zu einem Höhepunkt in der Vereinsgeschichte wurde das 40-jährige Stiftungsfest, verbunden mit dem Gruppenfest des Bezirkes Hardt im Juni 1962. Erstmals trat bei diesem Fest die Jugendkapelle auf. Auch die noch lebenden 6 Vereinsgründer brachten unter der Leitung von Robert Schmitt Volkslieder zum Vortrag. Ein Bunter Abend mit Künstlern aus Funk und Fernsehen war der krönende Abschluss dieses gelungenen Festes.

Eine bittere Stunde für den Verein war der plötzliche Tod des 1. Vorsitzenden Eitel Ebert im Juni 1964. Nahezu 15 Jahre hat er den Verein mit Weitblick, Tatkraft und Idealismus geführt. Der amtierende 2. Vorstand Walter Heneka führte die Vereinsgeschäfte bis zur Jahreshauptversammlung im Januar 1965 weiter und wurde dort zum 1. Vorsitzenden gewählt. Im hohen Alter von 90 Jahren verstarb im September 1966 Ehrendirigent Friedrich Grumann.

Bei der Jahreshauptversammlung 1967 übernahm der seitherige Jugendleiter Helmut Riffel mit 24 Jahren die Leitung des Vereins. Die erste große Aufgabe für ihn war, einen Nachfolger für den allseits beliebten Dirigenten Karl Mergenthaler zu finden, der wegen seinem Kriegsleiden um seinen Abschied bat. Ein ehemaliger Schüler von ihm, Herr Adolf Kuppinger aus Neulußheim, der nach seinem Musikstudium bei großen Orchestern Erfahrung gesammelt hatte, konnte als Dirigent gewonnen werden. Bei einer Winterfeier im November 1967 verabschiedete sich Herr Mergenthaler von seinen Musikern und überreichte seinem Nachfolger den Taktstock.

Mit großem musikalischem Können und kameradschaftlichem Einfühlungsvermögen führte Herr Kuppinger die Kapelle von Erfolg zu Erfolg. Die jährlichen Frühjahrskonzerte, erstmals 1968 durchgeführt, zeigten einen stetig steigenden Leistungsstand der Kapelle und sind heute zu einem festen kulturellen Ereignis in unserer Gemeinde geworden. Mit neuen zukunftsweisenden Ideen der Vereinsleitung verschaffte sich der Verein Gehör und Anerkennung innerhalb und außerhalb der Gemeinde.

Kameradschaftliche Veranstaltungen wie die Nikolaus- und 1.Mai-Feiern, Vatertagswanderungen, Weihnachtsfeiern und Vereinsausflüge wurden zu einer festen Einrichtung. Sie gaben dem Verein ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl. Der Zweitagesausflug 1969 nach Waldau, zu dem uns unser Mitglied und Gönner Robert Adam eingeladen hatte, und der Zweitagesausflug 1973 nach Haslach im Allgäu ist bei allen Beteiligten in nachhaltiger und guter Erinnerung geblieben.

Bei einer Mitgliederwerbung im Jahre 1969 konnten 185 Mitglieder gewonnen werden.

Die beim Sommerfest 1970 erstmals durchgeführte Hitparade wurde immer beliebter und ist bis heute von vielen Vereinen in der näheren und weiteren Umgebung übernommen worden.

Das bis dahin größte Fest in der Vereinsgeschichte war das 50-jährige Jubiläumsfest im Juni 1972. Im Verlauf dieses Festes wurde Herr Karl Mergenthaler zum Ehrendirigenten ernannt. Die langjährigen und verdienten Musiker und Vorstandsmitglieder August Bolz und Raimund Riffel erhielten die Bundesförderermedaille in Silber.

Bei der Generalversammlung 1981 stellte der 1. Vorstand Helmut Riffel nach 14-jähriger Tätigkeit sein Amt zur Verfügung. Als Nachfolger wurde der aktive Musiker Edgar Luft gewählt. Unvergessen für alle Beteiligten war die Teilnahme an einem internationalen Musikfestival in Valencia/Spanien vom 13.-17. Juli 1982 während seiner Amtszeit.

1983 veranstaltete der Verein sein erstes Adventskonzert in der St.Jakobus-Kirche. Es wurde auf Anhieb ein voller Erfolg und gehört heute zu einer festen kulturellen Einrichtung.

Ein musikalisches Großereignis war das Gemeinschaftskonzert der Musikvereine aus Neulußheim, Wiesental und Karlsdorf im März 1985 in der Altenbürghalle, mit dem diese Vereine ihrem Dirigenten zum 50. Geburtstag gratulierten.

Einen der größten musikalischen Erfolge errangen die Musikerinnen und Musiker beim Wertungsspiel 1985 in Kronau. In der Oberstufe erhielten sie die bestmögliche Note „1. Rang mit Auszeichnung" und bei der schriftlichen Beurteilung wurde der Kapelle eine ausgeglichene Besetzung, ein solides Können und ein guter Leistungsstand bescheinigt.

1986 übernahm Helmut Riffel wieder das Amt des 1. Vorsitzenden. Aus gesundheitlichen Gründen stellte Adolf Kuppinger 1987 nach 20 Jahren sein Amt als Dirigent zur Verfügung. Bei seiner Verabschiedung wurde er zum Ehrendirigenten ernannt. Als Nachfolger wurde der aus den eigenen Reihen kommende Musiker Jürgen Luft verpflichtet. Eine große Herausforderung für den jungen Dirigenten und seine Musiker war die musikalische Gestaltung bei den 175-Jahr-Feierlichkeiten der Gemeinde Karlsdorf. Diese Aufgabe wurde mit Bravour gemeistert und hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Bei der Jahreshauptversammlung 1989 stellte der 1. Vorsitzende Helmut Riffel sein Amt zur Verfügung. Als Nachfolger wurde der seitherige Stellvertreter und aktive Musiker Dr. Hans-Jürgen Panitz gewählt. Im gleichen Jahr unternahm das Orchester in Begleitung des Verwaltungsrates und einiger passiver Mitglieder eine dreitägige Reise nach Kundl in Tirol/Österreich. Man folgte damit einer Einladung der Bundesmusikkapelle und der Freiwilligen Feuerwehr Kundl. Das Orchester wusste durch seine Musik auch das österreichische Publikum bei drei Auftritten anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Kundl zu begeistern. Ein Ausflug in die wunderschöne Bergwelt Tirols und vor allem die herzliche Gastfreundschaft unserer Gastgeber hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Ebenfalls 1989 wurden für die aktiven Musikerinnen und Musiker neue Uniformen angeschafft - ein langwieriges und kostspieliges Verfahren, das ohne die finanzielle Spendenunterstützung durch die Aktivität und den Zuschuss der Gemeinde Karlsdorf-Neuthard nicht hätte durchgeführt werden können. Es galt, eine strapazierfähige und dennoch bequeme Uniform zu finden, die von jedem Musiker gerne getragen wird. Ein Ziel, das dann auch erreicht wurde.

Im September 1990 zog der Musikverein im Rahmen seines Musikfestes vom traditionellen Festzelt in die Altenbürghalle um. Damit wollte man unabhängiger vom Wetter sein. In der Altenbürghalle wurde erstmals der Karlsdorfer Musikantenstadl durchgeführt. Doch in der Bevölkerung fand dieser leider nicht den erhofften Anklang, so dass er nach dreimaliger Durchführung (1990, 1991 und 1993) wieder fallen gelassen wurde. Einzig die Kontaktaufnahme zum Jugendorchester aus Karlsdorfs Partnergemeinde Nyergesújfalu war positiv zu werten. Zum Musikantenstadl 1993 hatte man die Ungarn zum Internationalen Jugendmusikkapellen-Treffen eingeladen.

Mehr Erfolg konnte der Verein im Rahmen des Wertungs- und Kritikspiels anlässlich der 1. Karlsruher Blasmusiktage 1991 verbuchen. Das Orchester erreichte in der Oberstufe einen 1. Rang mit Auszeichnung und das Urteil der Wertungsrichter lautete: „Den Vortrag des Musikvereins Karlsdorf zu erleben war eine Freude. Die Kapelle ist mit ihrer vorzüglichen Besetzung auf dem rechten Weg. Sie wurde von einem fachlich kompetenten und routinierten Dirigenten sicher geführt“.

Im September 1992 feierte der Musikverein sein 70. Stiftungsfest im Zusammenhang mit dem 13. Bezirksmusikfest des Bezirks Hardt im Blasmusikverband Karlsruhe. Zu diesem Fest wurde die Musikkapelle aus Haslach/Allgäu eingeladen und damit eine langjährige Freundschaft wieder aufgefrischt.

Im Laufe des Jahres 1992 wurden die Kellerräume im alten Kindergarten (Alois-Bolz-Heim) in Eigenarbeit und mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde so umgebaut, dass ein Großteil des Vereinsinventars dort untergebracht werden konnte.

Bei der Generalversammlung im Januar 1993 übernahm der aktive Musiker Wolfgang Bickel die Vereinsführung. Im selben Jahr wurde auch der Jugendraum im alten Kindergarten renoviert.

1994 schlug der Musikverein neue Wege in der Jugendausbildung ein: Man begann mit einer musikalischen Früherziehung. Kinder ab 5 Jahre werden an Orffschen Instrumenten ausgebildet und so spielerisch an die Musik herangeführt. Dass dieses Konzept richtig ist, zeigten der Zuspruch und der Erfolg in den kommenden Jahren.

Bereits 1994 fanden Gespräche mit der Gemeinde über den Kauf des Alten Schulhauses gemeinsam mit der Liederhalle Karlsdorf statt. Nach langer Suche hatte man endlich einen geeigneten Ort für ein Vereinsheim gefunden. Aus diesem Anlass veranstalteten die beiden Kulturvereine zusammen das 1. Alte-Schulhof-Fest im Mai 1995. Der Erlös diente der Finanzierung des Alten Schulhauses.

Im Juni 1995 stattete die Musikkapelle den Freunden aus Haslach/Allgäu einen Besuch ab. Die Karlsdorfer haben dort eine herzliche Gastfreundschaft, eine Kameradschaft und eine Organisation eines Riesenfestes erleben dürfen, wie man es sich vorher wahrlich nicht vorstellen konnte. Unvergesslich bleibt sicher der Spontanauftritt im voll besetzten Festzelt, als die geplante Tanzkapelle nicht eintraf. Sonntagmorgens gaben die Karlsdorfer Musiker ein Frühschoppenkonzert. Der Abschluss des Ausfluges war die Teilnahme an einem fantastischen Festumzug durch den Ort.

Bei der Generalversammlung im Januar 1996 übernahm Arno Schlindwein die Leitung des Vereins; eine mutige Entscheidung wenn man bedenkt, dass sowohl der Kauf und Umbau des Alten Schulhauses als auch das Jubiläumsfest 1997 anstanden.

Im Mai 1996 fand dann das 2. Alte-Schulhof-Fest statt. Der Musikverein wollte mit diesem Fest an den Erfolg der früheren Schulhoffeste anknüpfen.

Im Herbst 1996 wurde endlich der Kaufvertrag für das Alte Schulhaus unterzeichnet und die Umbauarbeiten konnten beginnen. Das Gebäude musste vollständig entkernt und renoviert werden. Nach 14-monatiger Bauzeit konnte das Vereinsheim im November 1997 bezogen und seiner Bestimmung übergeben werden. In einer internen Feierstunde dankte der damalige 1. Vorstand Arno Schlindwein den vielen ehrenamtlichen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz, der Gemeinde Karlsdorf- Neuthard für die Renovierung der Außenfassade und dem Architekten Erich Hoffmann für die kostenlose Planung und Bauleitung. Am 10. Dezember 1997 fand die erste Probe im eigenen Heim statt und am 25. Januar 1998 wurde das Gebäude im Rahmen einer offiziellen Feierstunde eingeweiht und bei einem „Tag der offenen Tür“ der Bevölkerung vorgestellt. Seitdem ist das Heim aus dem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken. Es bietet nicht nur optimale Probebedingungen sondern dient auch der Kameradschaftspflege.

Zu seinem 75-jährigen Jubiläum im Jahr 1997 veranstaltete der Verein ein großes Doppelkonzert mit dem Musikverein aus Haslach. Im Juni beim Jubiläumsfest selbst wurde an vier Festtagen gefeiert. Nach einem Empfang freitagabends im Rathaus marschierte die Kapelle mit den geladenen Gästen zum Festplatz, um den Ehrungsabend zu veranstalten. Am Samstagabend unterhielt die aus Funk und Fernsehen bekannte Stimmungs-kapelle „Die Grombacher“. Am Sonntag gab es bei herrlichem Festwetter einen großen Festumzug durch die festlich geschmückten Straßen. Der Montagabend stand im Zeichen der traditionellen Hitparade.

Im Juli 1997 fand eine 3-tägige Konzertreise nach Nyergesújfalu statt (Karlsdorf-Neuthard’s Partnergemeinde in Ungarn), um beim dortigen Bierfest aufzutreten.

Beim 125-jährigen Vereinsjubiläum der „Liederhalle“ im Mai 1998 konnte man zeigen, dass Musiker auch singen können. Mit dem Titel „La Pastorella“ und einem Udo-Jürgens-Medley belegten die Musiker den ersten Platz.

Das im Mai 2002 durchgeführte Jubiläumskonzert in der Altenbürghalle unter dem Motto „80 Jahre Musikverein Karlsdorf – 15 Jahre Dirigent Jürgen Luft” wurde erstmals nach vielen Jahren wieder als Stuhlkonzert durchgeführt.

Im April 2004 fanden die 5. Karlsruher Blasmusiktage statt. Der Musikverein nahm am Wertungsspiel teil und erreichte mit 94,5 von 100 möglichen Punkten die Tagesbestleistung. Die Aktiven wurden nicht nur von Bürgermeister Egon Klefenz persönlich beglückwünscht, sondern auch beim Bürgerball der Gemeinde für diese herausragende Leistung ausgezeichnet.

Einen Gegenbesuch mit Auftritt (Frühschoppenkonzert, Festumzug und Massenchor) beim Kreismusikfest in Emmingen im Juni 2005 nutzten die Musikerinnen und Musiker zu einem Wochenendausflug an den Bodensee. Von dort brachten die Aktiven die Begeisterung für den „Böhmischen Traum“ mit – eine Euphorie, die sie dort mit hunderten von Festgästen teilten.

Auch im Jahr 2006 machten sich die Aktiven auf Reisen und verbanden einen Auftritt beim Landesmusikfest in Villingen-Schwenningen mit einem zweitägigen Ausflug. So konnten die Aktiven noch den Massenchor auf dem Rathausplatz und den Festumzug am Sonntagnachmittag miterleben.

2007 war ein äußerst aktives und arbeitsreiches Jahr. Der Verein feierte sein 85-jähriges Bestehen mit zahlreichen außergewöhnlichen Veranstaltungen. Die erste musikalische Herausforderung für die Aktiven galt es im März bei der Verabschiedung von Bürgermeister Egon Klefenz in der Altenbürghalle zu meistern. Der Musikverein setzte mit der Aufführung des Großen Zapfenstreichs vor mehr als 1.000 Gästen den krönenden und bewegenden Schlusspunkt dieser Feierlichkeit. Im Mai fand zusammen mit dem Operettenchor Hamburg eine rauschende Operettengala im Bürgerzentrum in Bruchsal statt. Dieser Abend war ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Die Professionalität aller Beteiligten machte dieses Konzert zu etwas ganz Außergewöhnlichem. Die Resonanz auf diesen Konzertabend war mehr als überwältigend und die Begeisterung der Konzertbesucher kannte fast keine Grenzen. Besser und würdevoller kann ein Verein die Farben seiner Heimatgemeinde nicht vertreten, wie das der Musikverein Karlsdorf an diesem Samstagabend in der Barockstadt getan hat. Ebenfalls 2007 feierte man das 20-jährige Dirigentenjubiläum von Jürgen Luft, wofür er aus den Händen von Bürgermeister Sven Weigt die Jubiläumsmedaille der Gemeinde Karlsdorf-Neuthard in Gold erhielt. Damit wurden die vielfältigen Verdienste einer Persönlichkeit gewürdigt, die in den vergangenen 20 Jahren als musikalischer Leiter des Blasorchesters herausragende Akzente gesetzt hat. Das Musikfest im September 2007 (bereits das 3. „Oktoberfest“) begann mit einem kleinen Platzkonzert auf dem Mühlenplatz unter Beteiligung der Musikkapelle aus Dunningen. Bei den Ehrungen am Samstagabend konnte seitens des Blasmusikverbandes Karlsruhe der Musiker Martin Tonka für seine 60-jährige Aktivität ausgezeichnet werden.

Ein weiteres spektakuläres Jahr stand dem Musikverein 2009 ins Haus. Es gab sowohl musikalische als auch kameradschaftliche Höhepunkte, wie es sie in dieser Form in einem einzigen Jahr wohl selten gibt. Im Mai fand in der Altenbürghalle eine Musicalgala zusammen mit dem „Chorus of Concord“ aus Mörsch statt. Eine sagenhaft dekorierte Halle, eine riesige, durch einen Laufsteg für die Solisten geteilte Bühne und bestens vorbereitete Musiker und Sänger machten den Abend zu einem Erlebnis der besonderen Art. Was Orchester und Chor unter der Leitung von Dirigent Jürgen Luft auf die Bühne brachten, war einzigartig in unserer Region. Diese Musicalgala wurde dann im Oktober 2009 sogar noch zweimal in Mörsch aufgeführt. Ein Erfolg für alle Akteure. Ebenso erfolgreich konnte ein neuer Ausbilder für die Früherziehung gefunden werden, nachdem die bisherige Ausbilderin Barbara Ludwig ausgeschieden ist. Helmut Albert leitet seit Oktober 2009 den Musikgarten, der vom Babygarten (mit Kindern ab 3 Monaten) bis hin zur Blockflötenausbildung geht.

Die weiteste Konzertreise der bisherigen Vereinsgeschichte führte im Oktober 2009 in den Bundesstaat Santa Catarina in Brasilien. Was der Musikverein Karlsdorf und die mitgereisten Freunde an diesen elf Tagen dort erleben durften, ist kaum zu beschreiben. Überall wurden wir herzlich aufgenommen und bewirtet. Emotionale Konzerte in Brusque, Pomerode und Florianópolis begeisterten die Zuhörer, die teilweise zu Tränen gerührt waren. In etlichen Ausflügen und Busfahrten durch das Umland von Florianópolis sahen wir verschiedensten Landschaften. Auch unsere brasilianischen Freunde und Gönner haben sich vor Ort ständig um uns gekümmert. Wir wurden auf eine Fischzucht zum Essen, in eine Zuckerrohrschnapsbrennerei zum Besichtigen und zu typisch brasilianischem Essen wie Churrasco, Cafe Colonial oder Cocktail tropical eingeladen und hatten trotzdem noch genügend Freizeit, um uns am Strand oder in der Innenstadt zu vergnügen. Es war alles in allem eine mehr als gelungene Reise.

Beim Frühjahrskonzert im April 2010 verabschiedete sich nach über 20 Jahren Jugendarbeit der Jugenddirigent Mathias Fohler. Dafür erhielt er von Bürgermeister Sven Weigt den Ehrenteller der Gemeinde für seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit. Den Dirigentenstab übergab Mathias Fohler an Frau Claudia Walter aus Weiher. Auf Initiative unseres Ehrenmusikers Walter Esswein und dessen Tochter machte sich im Oktober 2010 der Musikverein wieder auf Reisen, dieses Mal ins Nachbarland Frankreich, um in Bischoffsheim im Elsass zusammen mit der dortigen Musikkapelle ein Konzert zu geben. Bei dem Tagesausflug konnte zuvor noch die nahe gelegene Stadt Straßburg besichtigt werden.

Der Leser wird verstehen, dass nicht alle Ereignisse der zurückliegenden 90 Jahre aufgeführt werden können. Zusammenfassend können wir aber feststellen, dass der Musikverein seine Aufgabe in der Gemeinde erfüllt hat. Ob bei kirchlichen Anlässen wie Konfirmation, Kommunion, Fronleichnam, Volkstrauertag oder bei den verschiedensten Veranstaltungen der weltlichen Gemeinde: Immer war und ist der Musikverein bereit, seinen musikalischen Beitrag zu leisten.