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Nachlese Frühjahrskonzert

In der Tat: das Frühjahrskonzert des Musikvereins Karlsdorf war erwartungsgemäß ein dankbar aufgenommenes Maigeschenk, alljährlich zum Muttertag aufbereitet und als farbenfroher musikalischer Blumenstrauß den überaus zahlreichen Besuchern präsentiert – ein Blumenstrauß, nicht von willkürlicher Buntheit, sondern gebunden aus einer sich in thematischer Einheit zusammenfindenden Vielgestaltigkeit musikalischer Aussagen und Inhalte sinfonischer Blasmusik.

„Natur“ hieß das Thema des ersten Programmteils: in drei ausladenden, breit angelegten programmatischen Werken breiteten die Ausführenden die ganze Spann- und Erlebnisbreite dieses Themenbegriffes aus und bewiesen unter dem präzisen Dirigat ihres langjährigen Dirigenten Jürgen Luft ein ausgezeichnetes Musiziervermögen auf ausgesprochen hohem Niveau – Ergebnis eines kontinuierlichen, gezielten gemeinsamen Arbeitens.

Nachdem die Jugendkapelle unter Mathias Fohler mit „Westernhagen on Tour“ und einer „Ballade für Tenorsaxophon“(Solist: Sascha Klein, unterstützt von den Tenorhornisten Florian Riffel und Simon Klein) das Konzert laut Programm eröffnet hatte, durften die jungen Akteure die Bühne erst nach einer Zugabe verlassen. Danach begann das große Blasorchester seine viel versprechende Reise in die Weite der Natur und entführte die Anwesenden zunächst in das wildromantische Appalachen-Bergmassiv mit der „Appalachian Overture“ von James Barnes, der hierin folkloristische Melodien dieser Gegend verarbeitet hat.

In den Dschungel führte die gleichnamige Komposition von Thomas Doss und malte in musikalischen Bildern die Welt dieser „grüner Hölle“ mit ihren Tieren, Vögeln, Gestalten und Gefahren. Die sinfonische Dichtung „Volcano“ von Jan van der Roost war in ihrer außermusikalischen Orientierung geographisch in der Gegend des Kaiserstuhls angesiedelt. Eingerahmt in ein treibendes Allegro (die Lebenslust der dortigen Bewohner charakterisierend), in anmutige Passagen (die Ruhe und Schönheit der Natur darstellend) und in ein festliches Finale bricht mit lautem Getöse die Urgewalt des einst aktiven Vulkans aus – ein orchestrale Meisterleistung in Werk und Wiedergabe.

In eine wesentlich andere musikalische Welt führte der zweite Programmteil - mit „Nachtleben“ überschrieben. So fanden sich die Zuhörer wieder in eben den Zentren dieser Lebensart: Paris und New York. Mit einem Querschnitt aus Jacques Offenbachs „La vie Parisienne“ vermittelte das Orchester seinen Besuchern zunächst das Flair dieser Stadt, um dann mit „Paris Montmartre“ das Leben und Treiben dieses Vergnügungsviertels nachzuzeichnen – klanglich original ergänzt von Joachim Böser auf dem Akkordeon. Im Herzen das richtige Gefühl und im Körper den richtigen Rhythmus, das sind Postulate für Darstellung afroamerikanischer Musik, in der es swingt, jazzt und grooved. Diesem Anspruch konnten die Ausführenden im dem mitreißenden „New York Nightlife“ von Jay Bocook vollauf gerecht werden. Kein Wunder, dass dieser Mit aus Jazz, Rhythm and Blues, Swing und Rock’n Roll die Zuhörer zu Begeisterungsovationen mitnahm.

Dass sich in einem solch qualifizierten Orchester auch ebenso qualifizierte Solisten finden, bewiesen die beiden Solo-Konzerte des Programms, das „Soliloquy and Dance“ für Oboe und Blasorchester von Philip Parker mit Joachim Merz als Solisten und das Klarinettenkonzert von Artie Shaw mit Mathias Fohler, wobei beide Solisten sich als perfekte Meister ihres Instrumentes erwiesen - stilsicher, ausdrucksstark und die Kadenzen mit brillanter Technik meisternd.

Alles in allem: ein Konzert der Sonderklasse mit herausragenden Leistungen und einem begeisterten Publikum, das gleich zwei Zugaben herausklatschte.

(Rudolf Rolli)